"Systemrelevanz" Katholischer Schulen

  • Fortbildungen | 06.05.2021

Erzbischof Hans-Josef Becker hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie als „Brennglas“ bezeichnet, das Probleme und Missstände in der Gesellschaft, der Politik, der Kirche und im Bereich von Schule und Bildung verstärke. Dadurch stehe zurzeit besonders im System „Schule“ vieles auf dem Prüfstand, sagte der Schulbeauftrage der Deutschen Bischofskonferenz im Rahmen einer digitalen Fachtagung am 30. April zum Thema „Systemrelevanz“ Katholischer Schulen.

 

Mit Blick auf die Frage nach der Systemrelevanz der Katholischen Schulen und deren Profil betonte Erzbischof Becker, dass in der Corona-Zeit vielleicht auch eine Chance der Katholischen Schulen liege, die Schülerinnen und Schüler noch mehr zu stärken, zu ermutigen und den jungen Menschen Hoffnungsperspektiven trotz der schwierigen Situation aufzuzeigen. „Es ist und bleibt eine besondere Aufgabe Katholischer Schulen, das Schulleben bewusst anhand christlicher Werte zu gestalten“, so der Vorsitzende der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). An der digitalen Fachtagung unter dem Titel „Systemrelevanz der katholischen Kirche – Systemrelevanz Katholischer Schulen“ nahmen knapp 200 Personen teil.

Religionssoziologe Ebertz: Katholischsein steht für Vielfalt

Der Religionssoziologe Michael N. Ebertz erläuterte in seinem Vortrag die gesellschaftliche Systemrelevanz der katholischen Kirche aus soziologischer Perspektive: „Wozu bist Du da, Kirche im 21. Jahrhundert?“ Im Rahmen einer solchen Identitäts- und Relevanz-Strategie müssten auch die Katholischen Schulen als Teil der pastoralen Seelsorge und Gesellschaftssorge der Kirche einen fraglosen Platz erhalten. Sie dürften ebenso wenig zur Disposition stehen wie die Kirchengemeinden. Katholische Schulen seien mit der Kirche und deren Auftrag strukturell und zeichenhaft verknüpft.

Katholischen Schulen liege das Bekenntnis zur Vielfalt, auch religiöser Vielfalt, an Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften nahe. „Katholischsein selbst steht eher für Vielfalt und Fülle als für Einfalt und Enge“, so Ebertz, der als Professor an der Katholischen Hochschule Freiburg tätig ist.

Werbeagentur-Chefin Meuter empfiehlt Wertefokussierung

In einem Gespräch mit Werbeagentur-Chefin Anja Meuter und dem Schulleiter des Pius-Gymnasiums in Coesfeld, Norbert Just, wurden zudem Eckpunkte zur Profilierung Katholischer Schulen und mögliche Marketingstrategien diskutiert. Bei der Kernfrage, was Katholische Schulen besonders mache, gehe es um ein klares Profil im Wettbewerb der Schul- und Bildungslandschaft. Anja Meuter hob hervor, dass Katholische Schulen viel zu bieten hätten, doch ihr Potential nicht immer nutzen würden und sich ihres Potentials nicht immer bewusst seien. Sie empfahl eine Wertefokussierung und eine auf die Schule angepasste Bewusstseinsbildung. „Hier wird es unglaublich viele spannende Antworten geben, die zeigen, wie vielfältig ‚katholisch‘ sein kann“, so Anja Meuter.

Im Rahmen der Kooperation „Partnerschaft Schule-Betrieb IHK Nord Westfalen“ ist eine Zusammenarbeit des Pius-Gymnasiums Coesfeld mit der Agentur von Anja Meuter entstanden, die zu einer nachhaltigen Profilschärfung der Schule geführt hat. Schulleiter Just hob hervor, dass es eine dauerhafte Aufgabe für jede Katholische Schule sei, das Bewusstsein für die eigene Identität zu schärfen und die christlichen Werte erlebbar zu machen.

Bundeskongress Katholischer Schulen im Mai 2022

Der 10. Bundeskongress Katholischer Schulen wird sich am 22. Mai 2022 in Erfurt umfassender mit dem Thema unter dem Motto "Freiheit und Demokratie - der Beitrag Katholischer Schulen" befassen.

(mam)