Experten-Talks am Stand der Kirche

  • Fortbildungen | 15.06.2022

Der Stand der Kirche auf der Bildungsmesse hat sich in diesem Jahr in Köln wieder mit einem bewährten Format präsentiert: Das rote Sofa. An den Messetagen vom 7. bis 11. Juni nahmen täglich Experten aus Kirche, Schule und Gesellschaft darauf Platz und gaben Einblicke in Themen wie Herausforderungen religiöser Bildung und Gemeindearbeit vor Ort. Zu den Gästen zählten Professor Oliver Reis, Pfarrer Franz Meurer, Filmregisseur Sönke Wortmann, Aktivistin Leonie Jöster und Poetry-Slammerin Veronika Rieger.

 

„Schule hat eine Seele“ lautete das Motto des gemeinsamen Stands der katholischen und evangelischen Kirche auf der diesjährigen Bildungsmesse didacta in Köln. In dem Talk-Format „Das rote Sofa“ sprach Moderator Daniel Schneider mit verschiedenen Akteuren aus Kirche, Bildung und Gesellschaft über ihre Arbeit. Als erster Gast nahm Oliver Reis, Professor für Religionspädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Inklusion am Institut für Katholische Theologie der Universität Paderborn, am Dienstag auf dem roten Möbelstück Platz. Im Talk – auf einem roten Sessel statt einem Sofa - sprach der promovierte Theologe und Religionspädagoge über Ansprüche an Religionslehrerinnen und Religionslehrer sowie die Herausforderungen von religiöser Bildung innerhalb der Schullandschaft. Er müsse sich in seiner Arbeit mit angehenden Religionslehrkräften stets überlegen, mit was er seine Studierenden beschäftigen könne, das eine Bedeutung für ihren Schulalltag hat. Manchmal sage er zu seinen Studierenden: „Das was ich hier mit Ihnen mache, hilft Ihnen nicht in der normalen Unterrichtspraxis.“. Es gehe darum auszuhalten, „Dinge in den Rucksack zu packen, die man erst viel später herausholt“, erklärte Reis.

Roter Sessel statt roter Teppich: Sönke Wortmann im Talk

Am Folgetag nahm ein Gast auf dem roten Sessel Platz, der sonst eher auf roten Teppichen zu finden ist: Sönke Wortmann. Der Regisseur – bekannt für Filme wie „Das Wunder von Bern“, „Die Päpstin“ und die aktuell laufende Lehrer-Komödie „Eingeschlossene Gesellschaft“ – plauderte über Erfolge und Scheitern, sein Bauchgefühl und wichtige Momente seines Lebens. Ebenso unterhaltsam berichtete am Donnerstag Pfarrer Franz Meurer über seine Arbeit als Seelsorger in den Kölner Stadteilen Höhenberg und Vingst. Bildung bedeute für ihn auch, dass die Gemeinde jedes Jahr Fahrräder an bedürftige Menschen verschenke. „Damit erweitert sich deren Möglichkeit am Leben teilzunehmen. Das ist Bildung pur“, sagte der 70-Jährige.

„Street credibility ist leider anstrengend“ – Pfarrer Franz Meurer

In seiner Arbeit setze der Kölner Pfarrer vor allem auf gemeinsames Anpacken. Entweder man helfe sich selbst, oder es passiere nichts. „Street credibility ist leider anstrengend“, folgerte der Priester und Buchautor und kritisierte in diesem Zusammenhang, dass viele Sparmaßnahmen vor allem Stadtteile treffen, in denen viele arme Menschen wohnten, die Angebote wie eine Familienbildungsstätte oder den Büchereibus eigentlich dringend benötigten. Stattdessen wünschte sich Meurer eine Willkommenskultur: „In dem Moment, wo man den Eindruck hat, dass man willkommen ist, verändert sich doch alles.“ Was ihm Hoffnung gebe, sei das Gefühl, dass sich in der katholischen Kirche aktuell Dinge entwickelten. Als Beispiel nannte er, dass der Religionsunterricht im Erzbistum Köln zukünftig in ökumenischer Verantwortung stattfinde. „Im Moment ist eine Zeit, in der allen klar ist: Entweder wir drehen uns oder wir sind weg“, schloss Meurer.

 

Buchautor Rainer Oberthür sprach am Kirchenstand auf der didacta über die Seele.

 

Veronika Rieger über die Kirche und das Internet

Als zweiter Gast am Donnerstag nahm Leonie Jöster auf dem sprichwörtlichen „roten Sofa“ Platz. Sie ist in der Kölner Fridays For Future-Bewegung aktiv und gab im Talk Einblicke in die Macht von Demonstrationen, die Ohnmacht bei ausbleibenden, politischen Entscheidungen und die Hoffnung auf die junge Generation. Den Abschluss der Reihe übernahm die evangelische Theologin und Poetry-Slammerin Veronika Rieger. „Ich mag, dass die Kirche so viel ist und so milieuübergreifend“, sagte die angehende Pfarrerin, die sich als non-binäre Person und damit Teil der Queer-Community versteht und darüber auf Instagram kommuniziert. Online schlage ihr immer wieder Hass aufgrund ihrer Ansichten und Lebensweise entgegen, berichtet Rieger. „Auch wenn das Internet ein realer Raum ist, ist es ein Raum, dem man mit einem Knopfdruck ausschalten kann“, sagte sie auf die Frage, wie sie mit Hasskommentaren umgehe.

Workshops, Vorträge und künstlerisches Rahmenprogramm

Neben den Gesprächen mit Menschen aus Kirche, Schule und Gesellschaft umfasste das Programm der Kirche auf der Bildungsmesse auch zahlreiche Vorträge und Workshops zu Themen wie Schule in Krisenzeiten, rassismussensible Kinderbibeln und Schulseelsorge via Chat. Darüber hinaus stellte Heike Bee-Schroedter ein Zertifizierungsangebot aus dem Erzbistum Paderborn für faire Schulgemeinden vor und Lea Schmidt – ebenfalls aus dem Erzbistum Paderborn – gab Einblicke in das Angebot der Religiösen Schulwochen. Weitere Programmpunkte griffen das Motto des Kirchenstands thematisch auf: Buchautor Rainer Oberthür sprach vor zahlreichen Interessierten über die Frage „Was ist die Seele? Auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens“ und Schülerinnen der Liebfrauenschule in Köln stellten ihre am Stand ausgestellten Kunstwerke vor. Zudem konnten Messebesucher Einblicke in das Projekt „Haltung heute“ von Pater Hubert Lenz und das Online-Projekt „relilab“ erhalten. Für die künstlerische Umrahmung sorgten die Schülerband „Feyer Flies“ des Clara-Fey-Gymnasiums in Bonn und die Kinder und Jugendlichen der Schule für Circuskinder in NRW.

 

Die Schülerband "Feyer Flies" lockte Besucher:innen mit bekannten Songs wie "Valerie", "No roots" und "Seven Nation Army" an den Kirchenstand.

 

Text und Bilder von Maike Müller